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ASS-Maße

Liebe Abiturienten, liebe Eltern, liebe Kollegen, liebe Gäste,

das Motto des heutigen Abends lautet: ABIer – wenigstens die Maß hat 1,0 . Auch wenn Sie die 1,0 knapp oder auch gar nicht so knapp verfehlt haben, so haben Sie es doch heute geschafft. Zu Ihrem Abitur möchte ich Ihnen zunächst einmal ganz herzlich gratulieren!

Als „Saupreiß“ ist es nun wahrlich keine leichte Aufgabe für mich das Oktoberfest mit Ihrer Oberstufenzeit in Verbindung zu bringen, aber ich habe es dennoch mal probiert.

Zu allererst sollte man nicht versäumen, seinen Zeltplatz ein halbes Jahr im Vorfeld zu reservieren. Das haben Sie alle getan. Nicht mit Dirndl- und Lederhosen traten Sie an sondern mit guten Kernfachnoten. Damit hatten Sie Ihren Sitzplatz im ASS-Zelt sicher. 

Schon zwei Wochen vor dem Oktoberfest hieß es am 9.9.2013 dann bei uns „O´zapft is!“ Alkohol kann man ja bekanntlich auch dann in Maßen genießen, wenn er in Maßen auf den Tisch kommt. Doch nein. Statt einer Maß gab es natürlich nur Alkoholfreies beim Einführungscafe. Denn was nun folgte, sollte man mit klarem Kopf angehen. Und mit flachen Schuhen! Und zwar nicht um wie beim Fest auf den Bänken tanzen zu können, sondern um die vielen Treppen der ASS und die Umwege durch die Baustellen zu überleben. 

 

Beim Oktoberfest stehen Ihnen 14 Zelte zur Verfügung um sich zu vergnügen. An der ASS vergnügten sich die meisten von Ihnen von nun an mit 14 Lehrern. Feiern bis zum reihern heißt es in München, und auch an der ASS gab es keine Gnade. Schnell ging es auf die ersten Arbeiten zu. Buchführung und BWL, Gleichungen und Vokabeln, Dietz und Haar, deutsches Reich und Homo Faber, Spanisch und Coopertest. Das ging natürlich alles nicht spurlos an Ihnen vorbei. Einer wurde besonders in Deutsch zum Nachschreibprofi, andere benötigten erstmal ein Raucherpäuschen. Im Internet werden Oktoberfestbesucher gewarnt, dass man nach der Zigarette draußen an überfüllten Tagen nicht mehr ins Zelt kommt. An der ASS, das kann ich Ihnen versichern, klappt das auch ohne Überfüllung nicht. Mit dem Lernstress nahmen die Migräne-Opfer zu, die Grippewelle rollte erbarmungslos besonders vor Klassenarbeiten und wie beim Oktoberfest wurde auch bei uns dem ein oder anderen schlecht. Dies schien sich jedoch bei uns direkt auf den Charakter auszuwirken, denn an der ASS wurde ein Rosa Zettel berühmt auf dem zu lesen war: „Ich musste wegen Schlechtheit gehen.“

Dies gibt mir ein trauriges Stichwort. Gehen musste nämlich dann tatsächlich jemand von ihnen. Ein Todesfall gehört eigentlich nicht in eine eher kurzweilig gedachte Rede. Doch liebe Abiturienten, ich glaube Sie geben mir Recht wenn ich sage, Niko gehört hier selbstverständlich heute her wie auch Sie, denn er wäre eigentlich heute unter uns. Völlig unfassbar für uns verschwand er einfach, und ich werde nie vergessen, wie sie nach ihm suchten und sehr lange um ihn trauerten.

Es war nicht leicht wieder in den Alltag zurück zu finden. Besonders für seine Freunde und seine Klassenkameraden. Doch das Leben ging natürlich weiter. Das erste Zeugnis kam, gefolgt vom ersten Elternsprechabend bei dem das ein oder andere Zeugnis verdaut werden musste. Einige von Ihnen gingen mit VocBro mutig und erfolgreich unter die Unternehmensgründer, andere lieber erst mal ins Praktikum.

Es wurde wieder wärmer und langsam auch wieder fröhlicher. Sie besuchten den Kursberatungsabend mit Herrn Schmitt und Herrn Seyfarth, Sie wählten Ihre Kurse, Sie evaluierten uns Lehrer, Sie lauschten Frau Lösch vom Landtag. Sie betraten die Oberstufe.

Ab jetzt zählte jeder Punkt. Einige gaben enorm Gas und legten tolle Ergebnisse hin, ein paar blieben aber auch auf der Strecke. Mit 90 Schülern gingen wir einst an den Start. 67 Abiturienten verabschieden wir heute.

Bei einigen sickerte die Erkenntnis des Punktesammelns erst kurz vor dem Abitur durch. Doch dieses völlig überraschende Ereignis kam ja erst viel später. Bis dahin konnte auch hoffentlich die perplexe Frage: „Wer ist eigentlich Putin?“ geklärt werden.

Gas geben bedeutete für unsere 12er erstmal ganz wörtlich das Gaspedal drücken und all die spannenden Begleiterlebnisse die der frisch erworbene Führerschein insbesondere unserer 12B bescherte. Wohl keine andere Klasse dieser riesigen Berufsschule war vom Schicksal fehlender Parkplätze so gebeutelt. Das Oktoberfest muss dagegen ein Parkplatzparadies sein. Wenn die ganze Schüler- und Lehrerschaft schon längst im Unterricht war, suchte in dieser Klasse garantiert noch gefühlt ein Viertel einen Parkplatz. Gern wurde man auch mal über Lautsprecher zum Umparken aufgerufen oder berichtete von fragwürdigen Ferienerlebnissen mit Polizeikontrollen und Autozerlegungen. Zum Trost gab es ein solidarisches Blitzerlebnis, das schon fast als Klassenfoto dienlich war. 

Zahlreiche schöne Fotos entstanden auch bei unseren Austauschprogrammen oder Ihrer Studienfahrt zum Gardasee oder zuletzt in Straßbourg. Beim Oktoberfest ist das Besucherverhältnis Inländer/Ausländer etwa 4:1. Bei der ASS gefühlt ähnlich. In München begrüßt man hauptsächlich Japaner, wir begrüßten Gäste aus Tschechien, Finnland und Indien. Nicht nur in München fährt man Achterbahn, auch unsere Inder kamen in Tripsdrill in den Genuss, und an dieser Stelle mein ganz herzlicher Dank an die Familie Fischer, die unsere gesamte Austauschgruppe Indien dazu eingeladen hat.

Alexander von Humboldt sagte einmal: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben“. Vielleicht ist diese Weisheit, dieser Toleranzaufruf heute in Zeiten der Völkerwanderungen, des Brexits und eines Donald Trump´s wichtiger und aktueller denn je. Ja, bei uns an der ASS konnten Sie die Welt ein wenig anschauen. Es hat mich sehr gefreut, als jemand von Ihnen danach spontan sagte: „Es war das beste was ich je gemacht habe“. Ein anderer empfahl die Auslandsaufenthalte bei Infoveranstaltungen engagiert und sogar in seiner Freizeit weiter. Ich bin stolz auf Sie, dass Sie sich auf diese Abenteuer eingelassen und ganz bestimmt davon profitiert haben. Und ich bin auch stolz auf mein engagiertes Austauschteam SOS (Seyfarth, Otto, Schmitt), das regelmäßig viel Herzblut und persönliche Ferienzeit in diese Programme steckt.

Ab und zu hatten Sie auch mal Unterricht. Zwischendurch besuchten sie Studienberater, die Bechtle-Hauptversammlung, das Bundesarchiv, die Experimenta, die Fremdevaluatoren, den nagel-neuen Chemiesaal und endlich auch die neue Mensa. Das Tempo zog an, neue Fächer kamen hinzu. Der Seminarkurs sorgte für hitzige Diskussionen, der Kunst-Kurs für tolle Masken und Selbstportraits, der LuT-Kurs für den großen Auftritt bei den Partnerschultagen im Theater oder bei der Hausmesse. Es war toll, Ihre Leistungen in diesen Kursen zu bestaunen. 

Doch Fortschritte, Leistungswillen und Ernsthaftigkeit spürte man bei den meisten nun auch zunehmend in den anderen Fächern. Auch wenn manche von Ihnen bis zum Ende Minimalisten blieben und auch wenn es manchmal Hindernisse gab. Das Oktoberfest gilt ja ebenfalls als Hindernisparcours. Es macht zwar Spaß den Leuten im Freefalltower zuzusehen, aber man sollte den Blick immer auf den Boden richten um Senfbrötchen  oder sonstigen Hindernissen ausweichen zu können. An der ASS gilt dies ganz besonders in der 13B, wo es gelegentlich schon mal zu Fußbrüchen durch herumliegende Taschen kommen kann. Ja, ich kann nur sagen: Betreten der 13B auf eigene Gefahr.

Auf eigene Gefahr ging es vor dem großen Endspurt auch nochmal zum Kanufahren oder zum Schwarzlicht-Indoor-Minigolf. Dann wurde es endgültig ernst. Sie wählten Ihre Prüfungsfächer, buchten das Kreuzle und wir buchten wir für Sie eine Amerikanerin for last-minute knowledge. Doch nicht nur in Englisch kam jetzt der große Drill. Unser ganzes Zelt-Team reichte Ihnen Tabletts zwar nicht mit Bierkrügen, dafür aber doch mit geistiger Nahrung, mit Hilfen und Antworten, mit Materialschlachten, Musterlösungen, Prüfungsaufgaben und Extrastunden. Mein Dank an dieser Stelle an ein tolles Team!

Der Hörtest kam – und dann nochmal!! Für mich war es peinlich, für Sie war es Gott sei Dank ein Glücksfall. Sie haben mit Größe und Gelassenheit reagiert und auch das macht mich stolz auf Sie.

Etwas weniger gelassen ging es bei der Motto-Diskussion zu und bei den Kommunikationsprüfungen. Dafür waren Sie beim Abitur dann aber wieder ziemlich tiefenentspannt. Strahlende Gesichter schon vor der Prüfung. Einer kam regelmäßig gemütlich ein paar Minuten zu spät, andere suchten wohl wie immer noch Parkplätze, eine junge Dame schlief sich am Tag der Deutschklausur erstmal ne Runde aus.

Danach war endlich feiern angesagt. Treffpunkt Theresienwiese heißt es beim Oktoberfest. Auch Sie trafen sich dort, doch nicht nur zum Feiern sondern auch um die Spuren zu beseitigen. Da blickte München neidisch auf die Stadt Heilbronn, die es Ihnen in einer Email dankte.

Die Ergebnisse kamen und mit ihnen auch so manche Überraschung – übrigens auch für uns Lehrer. Die letzte Hürde Präsentationsprüfung stand an. Von der Weimarer Republik bis hin zu AFD, TTIP, Flüchtlingskrise, Weltfrieden und Brexit beschäftigten sich viele von Ihnen mit den Brennpunkten unserer Zeit – und das für die ersten bei gefühlten 50 Grad! Dafür konnten sie aber schon das Achtelfinale der EM in Ruhe genießen, während so manch einer noch auf eine zweite Prüfung lernen und um das Bestehen kämpfen musste. Doch dann war es endgültig geschafft!

Das Oktoberfest kürt das Münchner Kindl, wir sollten eigentlich die 13A küren, denn drei Jahre in Folge gewannen sie als Fußballprofis das SMV-Turnier. Küren könnten wir auch Lukas, der ein Jahr lang den Ärmsten der Armen in Argentinien als Handwerker helfen wird oder den Global-Kurs der 13C für das tolle Kita-Projekt. Küren könnten wir ebenfalls auch Tom und Sebastian für Ihre tollen Zeitungsartikel zum Thema Lehrer werden. Meine Kollegen und ich waren uns in ähnlichen Worten relativ einig: Wer Lehrer werden will, der sollte Schüler gern haben. Und ich kann Ihnen versichern: Wir hatten Sie gern. Denn uns verlassen heute tolle junge Leute, die sich prächtig entwickelt haben und die man einfach gern haben muss. Küren könnten wir heute auch Sie liebe Eltern, die viel dazu beigetragen haben. Vor allem aber möchte ich Sie nun einladen, gemeinsam mit Herrn Arweiler und mir unsere Besten zu küren.

Liebe Abiturienten, jedes Fest und jede Schulzeit und jede lange Rede hat mal ein Ende. Ihre Schulzeit endet heute. Nehmen Sie das Beste davon mit und behalten Sie uns in guter Erinnerung. Ich wünsche Ihnen für Ihre Zukunft alles Liebe, noch viele fröhliche Feste ohne böses Erwachen und  immer einen klaren Kopf wenn es wirklich zählt. (Bierkrug heben). Ein herzliches Prost. Auf Sie!!

Kerstin Horn