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Wirtschaftsgymnasium

Schüler im Chefsessel - Die Erfüllung eines kleinen Traums

 

Nach wenigen Tagen ging die Antwort ein. Ich hätte mich erfolgreich beworben, hieß es. Ich kam gerade aus der Schule, als ich jene Nachricht las. Selbst heute noch, zwei Wochen später, kann ich mir dieses intensive Gefühl von Glück, Freude und Erfolg mehr als deutlich vorstellen. Es war, als wolle ich dieses enorme Glücksgefühl mit anderen teilen, als wäre mein Leben perfekt.

Am 17.03.2016 war es schließlich so weit. Um 08:30 Uhr sollten ein weiterer Projektteilnehmer sowie ich den für uns Verantwortlichen Wirtschaftsprüfer Herrn Koch am Empfang der Zentrale Deutschlands treffen. Diese liegt in der Nähe des Stuttgarter Flughafen,- eine Tatsache, welche sich durch im Schnitt alle 30 Sekunden einkehrende Mitarbeiter plus Reisekoffer bemerkbar machte.

Und so betrat ich also die Zentrale, wobei ich den ersten Eindruck gerne mit einer entgegenstehenden metaphorischen Wand, bestehend aus Anonymität und direkter Nähe zum globalen Wirtschaftssystem, beschreibe. Da war es wieder, dieses Gefühl von Freude und Erfolg.

Noch völlig verblüfft von meinem ersten Eindruck stellte ich mich Herrn Koch vor, welcher uns daraufhin in sein Büro führte, ein kleiner, hochmoderner Raum mit fantastischem Ausblick.Dort wurden uns die einzelnen Themenbereiche von„EY“, wie die Firma gerne abgekürzt wurde, sehr präzise erklärt. Von der Wirtschaftsprüfung in Sachen Jahres- bzw. Konzernabschlüsse bis zur Transaktionsberatung bei Börsengängen sind die vier Bereiche (Assurance, Tax, Advisory, Transaction Advisory)in diverse, breit gespickte Sektoren untergliedert. Schon zu jenem Zeitpunkt war ich von diesem Unternehmen mehr als begeistert.

Dieser persönliche Aspekt wurde durch die Erläuterung der verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten bestärkt. Wir erfuhren, dass man innerhalb einer in unterschiedliche Stufen aufgeteilte Hierarchie die ersten drei Jahre als Assistent(in)und schlussendlich als Partner(in) mit einer kleinen Unternehmensbeteiligung arbeitet. Eine zusätzliche Besonderheit beim Partner ist neben erhöhtem Arbeitseinsatz und besagter Beteiligung eine gewisse „Selbstständigkeit“. So ist es durchaus möglich, die Kunden selbst zu wählen und seine Arbeit eigenständig zu gestalten (natürlich immer vor dem Hintergrund von „Ernst &Young“).

Die erste Aufgabe, welche wir anschließend erhielten, bestand darin, uns unterschiedliche Bilanzen von bekannten Unternehmen anzuschauen. Durch den BWL-Unterricht an dem Wirtschaftsgymnasium der Andreas-Schneider-Schule, welches ich gegenwärtig besuche, kamen mir viele Strukturen bekannt vor, was zusätzlich das Verständnis vereinfachte. Während ich also in dem schicken Raum mit toller Aussicht saß und zwischen den Zahlen bzw. Konten hin- und hersprang, bemerkte ich, wie Herr Koch eine E-Mail aus den USA empfing. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass „EY“ in rund 150 Ländern vertreten ist. Sehr gute Englischkenntnisse sind daher mit Sicherheit eine wichtige Arbeitsvoraussetzung.

In der Mail, erzählte Herr Koch,ging es um sogenannte Aktien-Calls, deren Bedeutung mir hinsichtlich meines enormen Interesses für Themen rund um die Börse geläufig ist. Es war der Punkt erreicht, an dem ich ständig auf die Uhr schaute, doch nicht weil ich das Bedürfnis hatte zu gehen, nein, sondern weil dieser Tag dabei war, zu einem übermäßig eindrucksvollem zu werden und ich mich ich meinen Interessen gegenüber sah.

Im Anschluss machten wir uns ca. um 12.30 Uhr auf den Weg zu „Altair Engineering“, einem in der Softwareentwicklung tätigen Unternehmen, welches zu dem Zeitpunkt den Dienst der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie nebensächlich der Transaktionsberatung (bezüglich oben genannter Aktien-Calls) in Anspruch nahm. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurde es wieder ernst. Alle nahmenerneut ihre Arbeitauf, so auch Herr Koch, welcher nun ein ca. einstündiges Telefongespräch auf herausragendem Englisch führte. Erinnern Sie sich noch an die oben genannte Arbeitsvoraussetzung?

Unterdessen durften wir drei in der Buchhaltung beschäftigten Praktikanten über die Schultern schauen. Sie waren momentan dabei, Zahlungseingänge wie auch Zahlungsfristen zu überprüfen. Selbstverständlich konnte ich mir die eine oder andere Frage zu den Themen Praktika und Buchhaltung nicht verkneifen. Allerdings hatten auch jene Praktikanten Fragen. Es ging um „Schüler im Chefsessel“ und die Zukunft, ob wir mit dem Projekt zufrieden seien und was wir nach der Schule anstreben würden. Die eine Antwort schloss auf die nächste. „Auf jeden Fall!“, antwortete ich, zwar habe der Tag bei „EY“ erst angefangen, dennoch könne ich mir schon jetzt eine Bewerbung vorstellen. Dabei hob ich immer wieder die eindrucksvolle Arbeitsatmosphäre hervor.

Nach einer netten Unterhaltung dauerte es nicht mehr lange, bis wir zum Essen in „Altairs“ Konferenzraum wechselten.

Interessant war zu beobachten, wie sich die einzelnen Gespräche über interne Angelegenheiten mit humorvollen Konversationen abwechselten. Ein schwer zu beschreibendes Gefühl, mit der „Chefetage“ eines so großen Unternehmens (weltweit ca. 1500 Mitarbeiter[1]) zu essen. Auf der einen Seite war es außergewöhnlich faszinierend, auf der anderen sah man mir die Aufregung sicherlich an. Doch diese Aufregung fand ihr Ende, alsmich ein bei „EY“ angestellter Steuerberater neugierig zu diesem Projekt befragte. Es ergab sich eine sehr angenehme und sympathischeRunde.

Im Anschluss an das Mittagessen lud er uns zu einem ausführlichen Gespräch mit ihm sowie einer weiteren Steuerberaterin, welche ihr Studium vor nicht allzu langer Zeit abgeschlossen hatte, ein. So ergab sich die Möglichkeit, einige Fragen bezüglich des Unternehmens, der Steuerberatung, als auch des Studiums zu stellen. Natürlich galt das Selbe auch für die beiden. Und so blieb mir eine Frage seitens der Steuerberaterin im Gedächtnis: „Wieso nehmen Sie an diesem Projekt teil?“.

Schon seit einigen Jahren lässt mich der Gedanke an die Selbstständigkeit nicht mehr los.

Jeden Tag aufs Neue stelle ich mir vor, wie es ist, sich nicht anpassen zu müssen, verhältnismäßig frei Entscheidungen treffen zu können, was man als gut erachtet, tun zu können, die eigenen Ideen voranzutreiben, mit seiner eigenen Kraft etwas zu schaffen, wovon man leben kann und dennoch mit Menschenzusammenzuarbeiten. All diese Gedanken verleiteten mich zu diesem Projekt,- um Einblicke in die Selbständigkeit zu erhalten. Und genau das war meine Antwort.

Wir unterhielten uns anschließend über die Aufgaben der Transaktionsberatung -einer der für mich interessantesten Bereiche- sowie die Zukunft von „EY“, woraufhin wir nochmals in den anderen Raum zu Herrn Koch wie auch den Praktikanten wechselten, welche uns Bildung von Buchungssätzen auftrugen. Eine Aufgabe, die wir gut lösen konnten.

Es war ca. 16:00 Uhr, als wir zurück zu „EY“ fuhren. Auf dem Weg unterhielt sich Herr Koch mit mehreren Personen erneut auf Englisch, wohl ein sehr anspruchsvoller und fordernder Beruf, ging mir durch den Kopf.

Wieder in der Zentrale angelangt, wurden wir von Herrn Dr. Dyck empfangen, einem Wirtschaftsprüfer, der mittlerweile 27 Jahre als solcher bei der „Ernst & Young GmbH“ angestellt ist,- übrigens auch ein Partner.

Wir folgten ihm in sein Büro und bekamen wie zu Beginn Bilanzen zu sehen. Doch dieses Mal war es anders. Wir sollten diese analysieren und ein Urteil fällen, wie es um die jeweiligen steht. Zugegeben, ein wenig angespannt war ich schon, schließlich musste ich meine Ergebnisse einem Mann vortragen, welcher diese Arbeit mehr als herausragend beherrscht.Rund 27 Jahre Berufserfahrung, ein Doktortitel sowie die Liebe zu dem, was er tut, sprechen eben für sich. So erklärte er uns, dass er momentan -wie Herr Koch- 5-6 Unternehmen gleichzeitig betreut. Um zu sehen, wie die Aufträge hierfür aussehen, gab er uns unterschiedliche und ließ uns diese vergleichen. Erstaunlich, auf welche Details geachtet werden muss. Allerdings war es ebenso erstaunlich, dass es bereits 18:00 Uhr war. Sie flog wieder, die Zeit.

Bedauerlicherweise neigte sich der Tag bei „Ernst & Young“ nun dem Ende zu. Ein paar Bilder zum Abschluss und wir wurden nach draußen begleitet.

Dabei musste ich immer wieder an die eindrucksvolle Arbeitsatmosphäre denken und an die Tatsache, meinem Traum von der Selbstständigkeit einen kleinen Schritt nähergekommen zu sein. Das Gefühl von Glück, Freude und Erfolg hielt bis zum Schluss an.

Dr. Dyck, mein Mitprojektteilnehmer Pascal Hofmann, sowie ich (v.r.n.l.)

 

Pascal Hofmann, ich, Herr Koch (v.r.n.l.)

Mein persönliches Fazit: Ich kann dieses Projekt jedem empfehlen, der sich auch nur ansatzweise für die Themen Selbstständigkeit sowie Interessensfindung bzw. Berufsorientierung interessiert, offen für neues ist und seinen Weg gehen möchte.

Momentan besuche ich die 12. Klasse eines Wirtschaftsgymnasiums und werde mich deshalb in naher Zukunft für ein duales Studium bewerben. Durch das Projekt „Schüler im Chefsessel“ bin ich auf ein Unternehmen gestoßen, welches ganz oben auf meiner Liste steht. So scheinen die Aufgabenfelder, die Nähe zu Menschen, die Flexibilität wie auch die Verantwortung eines Wirtschaftsprüfers und Transaktionsberaters bei „EY“ genau das Richtige für mich zu sein.

Dafür möchte ich nochmal ausdrücklich Herrn Koch, Herrn Dr. Dyck sowie Pascal Hofmann für einen mehr als gelungenen Tag und tolle Zusammenarbeit danken. Selbstverständlich gilt dasselbe für Frau Kaufmann, die dieses Projekt erst ermöglicht hat.



[1]„Wikipedia: Altair Engineering“, https://de.wikipedia.org/wiki/Altair_Engineering (Stand: 28.03.2016 bzw. 2012)