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Besuch aus dem Flüchtlingsheim

Am Montag den 23.11.15 bekam die Klasse BKÜ2B der Andreas-Schneider-Schule Besuch aus der Brackenheimer Flüchtlingsunterkunft.

Zu Gast waren der Iraker Marouane, 25, Koch aus Bagdad; der Syrer Mohammed, 25, Maurer aus Damaskus und ein 28-jähriger Lehrer aus Eritrea namens Robel. Den ganzen Tag erzählten die Flüchtlinge über ihre beschwerliche Reise nach Europa, ihre Gründe, weshalb sie ihre Heimat verlassen mussten und wie es ihnen nun hier in Deutschland ergeht.

Zu Beginn hielt Robel einen Vortrag, der durch erschütternde Bilder, die er auf seiner Reise machte, unterstützt wurde. Er berichtete über die Regierung, die dort den Zugang auf Bildung verweigert. Aufgrund dessen legte er sich gemeinsam mit ein paar Lehrerkollegen mit dem Bildungsminister des kommunistisch regierten Staates an, woraufhin er für eineinhalb Jahre inhaftiert wurde. Nach psychischer und physischer Folter, die er und die Mithäftlinge erleiden mussten, entschieden sie sich zur Flucht. Nur 2 der 5 Freunde überlebten die mühevolle Reise durch die Sahara und über das Mittelmeer. Auf diesen äußerst interessanten Vortrag folgte ein, von einem Schüler mit tunesischem Migrationshintergrund übersetzter, Erlebnisbericht von Marouane und Mohammed. Zu allererst war es den Beiden sehr wichtig zu sagen, dass der IS nichts mit dem Islam zu tun habe, sondern das genaue Gegenteil sei.

Mohammed ergriff das Wort und berichtete von der Bombardierung seines Hauses in Damaskus, woraufhin seine ganze Familie in eine andere syrische Stadt floh. Als auch dieses Haus bei einem Anschlag zerstört wurde und sie nur knapp überlebten, beschlossen sie gemeinsam in die Türkei zu flüchten. Dort verloren sie sich aus den Augen und Mohammed ging vorerst alleine mit seinem Vater weiter. Doch dank Whatsapp und Facebook sind jetzt alle wieder in Deutschland vereint. Wie die Schülerinnen und Schüler nun erfahren mussten, ist Marouanes Schicksal nicht weniger tragisch. Der IS bombardierte das Restaurant seines Onkels, in dem er arbeitete. Dabei kam sein Onkel, zu dem er ein sehr enges Verhältnis hatte, ums Leben. Da seine Eltern schon alt sind und er noch keine eigene Familie hat, beschloss er alleine in Richtung Europa aufzubrechen.

Die Klasse hatte im Vorfeld privat und auch in der Schule diverse Berichte über den dort herrschenden Krieg und seine vermeintlichen Ursachen gesehen. Die Flüchtlinge selbst erzählten eine andere, als die in den Medien verbreitete Version des dort vorherrschenden „Islamischen Staates“, wie es zur Gründung kam und wie diese Terroristen anfänglich finanziert wurden. Sie äußerten sich sehr amerikakritisch und bezogen klar Stellung gegen die Demokratisierungs- und Anti-Terror-Kriege der Amerikaner. Aus eigener Erfahrung berichtete Marouane von vielen zivilen Opfern während dieser Kriege. Grundsätzlich sei er für Demokratisierung, aber nicht auf diesem Weg. Seiner Meinung nach können Terrororganisationen wie der IS auf der Grundlage der Zerstörung einiger arabischer Länder schneller wachsen. Anfangs war er froh, als es hieß die Vereinigten Staaten kommen um Frieden zu bringen. Doch schnell kam er zu der Schlussfolgerung, dass die USA ausschließlich aus eigennützigen Beweggründen in den Irak gekommen war und nicht um dem irakischen Volk zu helfen.

Alle Drei sind sich einig, dass diese Geschichten ihrer Vergangenheit angehören. Sie müssen nach vorne schauen und möchten ihre Schule gut abschließen um dann Arbeit zu finden und hier Fuß zu fassen. Robel würde sehr gerne als Dolmetscher für andere Flüchtlinge aus Eritrea arbeiten und seinen Landsleuten bei der Integration in Deutschland helfen. Mohammed wäre außerordentlich froh, wenn er eine Stelle als Bauarbeiter finden könnte. Marouane möchte gerne wieder als Koch arbeiten und hier eine Familie gründen. Am Ende gab es noch die Möglichkeit für Schüler und Lehrkräfte Fragen zu stellen. Es wurden zahlreiche und sehr interessante Fragen gestellt, welche alle beantwortet werden konnten. Im Nachhinein gab es von den Zuhörern ein positives Feedback zu dem Besuch der Flüchtlinge. Alle fanden es aufschlussreich die Meinung, der vom Krieg direkt Betroffenen, zu erfahren.

Kevin Jeske, BKÜ2B, André Buchmann, Fachlehrer