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INTERVIEW: PRAKTIKUMSAUSTAUSCH MIT TSCHECHIEN – ein Fazit

 Dana Ciencialová und Kerstin Horn (links) beim Vorbereitungstreffen in Brno 2006

Vom 21. bis 27. September 2014 waren die Schüler/-innen des Global-Studies-Kurses der WG12c zum Gegenbesuch in Brno (Brünn) in der Tschechischen Republik. Die Schüler/-innen unserer Partnerschule, der Obchodní Akademie Brno, waren in Heilbronn im März 2014 zu Gast. Der Austausch, in dessen Mittelpunkt ein mehrtägiges Betriebspraktikum steht, fand dieses Jahr schon zum achten Mal statt.

Nun steht ein Wechsel an. Dr. Dana Ciencialová auf tschechischer und Peter Kaspar auf deutscher Seite haben bisher den Austausch durchgeführt, mit großer Unterstützung seitens der Schulleitung, insbesondere der Abteilungsleiterin des Wirtschaftsgymnasiums Kerstin Horn, der Kollegen Corina Ammon und Rene Seyfarth und des Förderkreises der Andreas-Schneider-Schule. Peter Kaspar ging mit Ende des Schuljahres 2013/14 in den Ruhestand, hat aber die Gruppe im September noch einmal nach Brno begleitet, zusammen mit Florian Schmitt, seinem Nachfolger.

Die erste Austauschgruppe in der Übungsfirma der Obchodní Akademie in Brno 2007Diese Zäsur war Anlass für einen Rückblick über acht erfolgreiche Austauschjahre in Form eines Gespräches mit Dana Ciencialová und Peter Kaspar. Die Gesprächsleitung hatte Florian Schmitt.

Florian Schmitt: Ich wollte euch nach den Zielen des Tschechienaustausches fragen, der ja nun zum achten Mal stattfindet, und möchte euch bitten, etwas zur Entstehung zu sagen.

Dana Ciencialová: Wie war das damals? Es liegt nun schon neun Jahre zurück, da habe ich eine deutsche Schule für eine Partnerschaft gesucht. Ich weiß nicht mehr genau, woher ich die Adresse der Andreas-Schneider-Schule bekommen habe. Ich habe direkt von Kerstin Horn Antwort erhalten. Nach kurzer Zeit ist sie dann zu uns nach Brno gekommen, im Februar oder März 2007, und da haben wir besprochen, wie wir uns die Zusammenarbeit vorstellen. Wir haben uns auch persönlich sehr gut verstanden, und beide haben wir gespürt, dass es klappt, weil wir gleiche Vorstellungen haben. Ein Jahr später, im März 2008, sind wir zum ersten Mal nach Deutschland gefahren.

Feedbackrunde an der Andreas-Schneider-Schule 2009 mit Dana Ciencialová (links) und Kerstin HornPeter Kaspar: Ich bin dadurch dazu gekommen, dass ich das bilinguale Fach „Global Studies“ neu übernommen hatte, bei dem ein Auslandspraktikum als Soll-Bestimmung vorgesehen ist. Außerdem suchte man jemand, der gut Englisch kann. Wir wussten ja nicht, dass ihr alle so gut Deutsch könnt, und wir dachten damals, dass die Kommunikation weitgehend auf Englisch stattfinden würde.

Florian Schmitt: Also war das Auslandspraktikum eines der Ziele bei diesem Austausch, und was waren die weiteren Ziele?

Dana Ciencialová: Dass die Schüler sich beiderseitig kennenlernen können, die Lebensbedingungen in den Familien. Das Praktikum ist der inhaltliche Kern dieser Austauschwoche. Es ist allerdings schwierig, für die deutsch-tschechischen Paare  Firmen zu gewinnen.

Florian Schmitt: Wie ist das auf deutscher Seite?

Abschied am tschechischen Bus in Heilbronn 2009 mit Peter Kaspar und Dana Ciencialová (rechts)Peter Kaspar: Ähnlich schwierig. Die Firmen haben an einem Praktikanten, der nur zwei oder drei Tage da ist und womöglich noch nicht einmal richtig Deutsch spricht, wenig Interesse. Es ist also ein großes Entgegenkommen der Firmen, Praktikumsplätze anzubieten. Dennoch sind einige Unternehmen sehr engagiert mit dabei.

Dana Ciencialová: Vielleicht ist das Problem bei uns in der Tschechischen Republik noch größer, weil Praktika bei uns nicht so verbreitet sind, erst bei den Studenten der Hochschulen, aber da dauert das Praktikum dann längere Zeit. Ich musste sogar verschiedene Bekannte bitten, ihre Firmen zu diesem Projekt zu gewinnen.

Florian Schmitt: Also waren persönliche Beziehungen notwendig.

Dana Ciencialová: Ja.

Die Austauschgruppe von 2010 vor dem Mercedes-Benz-Museum in StuttgartFlorian Schmitt: Vielleicht könnt ihr noch etwas zu dem Programm des Austausches sagen, der jährlich stattfindet, meistens im März in Deutschland und im September in Tschechien.

Dana Ciencialová: Die Aufstellung der Woche ist in Tschechien und in Deutschland ganz ähnlich. Der Sonntag ist der Ankunftstag, dann fahren die Schüler direkt zu den Familien und lernen so die Gastfamilien kennen. Am Montag treffen wir uns in der Schule, werden offiziell begrüßt, lernen das Programm kennen und zeigen den Schülern die Schule. In Deutschland dauert das Praktikum einen Tag länger als bei uns. Bei uns sind es nur zwei Tage, am Dienstag und Mittwoch. Am Donnerstag machen wir hier in Tschechien immer einen Ausflug in die Umgebung der Stadt. Das gleiche gilt auch für Heilbronn für den letzten Tag nach der Feedback-Runde und Verabschiedung in der Schule. Und nach dem Ausflug kommt das gemeinsame Abendessen.

Peter Kaspar: Am Montagnachmittag machen wir meist eine Betriebsführung, in Deutschland und in Tschechien. Vor ein paar Jahren zeigte uns die die Firma Marbach ihre Zentrale in Heilbronn. Beim Gegenbesuch sahen wir die tschechische Niederlassung von Marbach in Rajhrad bei Brno und konnten so vergleichen. Dann ist noch Baier & Schneider zu erwähnen. Andreas Schneider ist ja der Namensgeber unserer Schule. Herr Jan Schneider hat uns schon zwei Mal durch die Produktion geführt, was schon deshalb für die Schüler besonders interessant war, weil jeder die Brunnen-Erzeugnisse kennt und benutzt.

Dana Ciencialová: Wir bereiten auch für die frühen Abende an den Praktikumstagen ein gemeinsames Programm vor. Zum Beispiel gehen wir zum Bowling oder wir treffen uns einfach um zu plaudern.

Die Austauschgruppe von 2011 vor Schloss Veveří bei BrnoPeter Kaspar: Ich denke, die Abendtreffen sind auch deshalb wichtig, weil die deutschen Schüler tagsüber „nur“ mit ihren tschechischen Partnern zusammen sind. Sie möchten sich dann abends treffen, um sich mit der deutschen Gruppe auszutauschen – umgekehrt  natürlich genauso, wenn sie den ganzen Tag in einer „fremden“ Umgebung waren.

Florian Schmitt: Dana, du hast vorhin schon angesprochen, dass es nicht immer einfach war, Plätze für das Praktikum zu finden. Auch die Finanzierung des Austausches ist nicht immer einfach. Könnt ihr mir dazu noch etwas sagen?

Dana Ciencialová: Die Finanzierung war in der Vergangenheit bei uns viel besser, weil wir gute und große Unterstützung vom Landkreis bekommen haben – sogar für unsere deutschen Partner. Inzwischen erhalten wir dieses Geld aber leider aufgrund von Kürzungen nicht mehr. Und so können wir nur von der Schule selbst unterstützt werden, und die finanziellen Mittel sind hier begrenzt. Wir bekommen etwas Geld für die Fahrt nach Deutschland und die Schule bezahlt die Unterkunft für den deutschen Lehrer.

Praktikumspräsentation in der Andreas-Schneider-Schule 2012Peter Kaspar: Unsere Schule hat einen Förderkreis, in dem viele Firmen aus der Region vertreten sind. Wir können uns sehr glücklich schätzen, denn im Förderkreis besteht große Bereitschaft, Austauschprogramme zu unterstützen - wir haben ja mehrere, neben Tschechien auch Indien und Finnland. Wir schwimmen nicht im Geld, aber wir können bestimmte Dinge finanzieren, zum Beispiel Fahrtkosten, Eintrittsgelder oder ab und zu eine Essenseinladung. Das macht die Finanzlage trotz der Mittelkürzungen auf tschechischer Seite erträglich.

Florian Schmitt: Es gibt bei einem solchen Austausch sicher größere oder kleinere Probleme. Welche Schwierigkeiten oder Probleme fallen euch noch ein?

Dana Ciencialová: Ich finde die deutschen Lehrer, sozusagen auch meine Freunde, sehr nett, und Probleme lösen wir miteinander, wenn z.B. Schüler mal Probleme untereinander haben.

Peter Kaspar: Ich denke, das ist die große Klammer des Austausches, dass wir uns persönlich gut verstehen und dadurch Kontinuität entsteht, denn die Schüler sind ja jedes Jahr andere. Es sind dennoch immer die gleichen Probleme. Ich denke hier an das „Freitag-Abend-Problem“, wie ich es nenne. Da wollen nämlich am Freitagabend die Gastgeber in die Disco und Party machen, denn sie sind es so gewohnt und können ausschlafen. Die Gäste andererseits sind nach einer Woche Aufenthalt im fremden Land oft erschöpft und müde, müssen morgens sehr früh abfahren und wollen früh ins Bett. Da gibt es dann fast immer Krach, egal ob wir in Deutschland oder Tschechien sind. Dies ist ein Beispiel für die kleinen Konflikte, wobei es natürlich auch Sinn des Austausches ist, dass man lernt, mit solchen Konflikten zurecht zu kommen und dass man vielleicht auch lernt, dass es nicht immer nach dem eigenen Kopf gehen kann, dass man Kompromisse schließen und miteinander klar kommen muss, auch in schwierigen Situationen.

Die tschechischen Lehrerinnen PavlaSukačová und Dana Ciencialová auf Burg Špílberk 2011Florian Schmitt: Ihr beide habt diesen Austausch jetzt lang begleitet. Dana wird das auch weiterhin tun, Peter verlässt uns, aber er war dieses Mal noch einmal mit dabei, damit ich als Neuling leichter in den Austausch einsteigen konnte. Könnt ihr etwas sagen über die Zukunft, die ihr euch wünscht, ein Fazit ziehen?

Peter Kaspar: Für mich ist es schön zu wissen, dass der Austausch weitergeht. Unser ganzes Austauschteam hat in den vergangenen acht Jahren viel Arbeit investiert, um das Ganze am Laufen zu halten, wobei ich sagen muss, dass die Organisation des Austausches im Lauf der Jahre immer leichter wurde, weil man ja schon wusste, was auf einen zukommt. Jedenfalls ist es für mich sehr befriedigend, dass das, was in acht Jahren aufgebaut wurde, weitergeht und eine Zukunft hat.

Dana Ciencialová: Ich bin der gleichen Meinung. Ich hoffe, dass unser neuer Partner Florian sich auch so gerne daran weiter beteiligen will, und dass wir weiter diesen Austausch durchführen können. In den ersten Jahren war es am schwierigsten. Als ich zum ersten Mal mit den Schülern nach Deutschland gefahren bin, war nicht klar, wie das alles klappt, wie es läuft. Jetzt weiß ich, dass die Menschen in Deutschland zuverlässig sind, dass wir übereinstimmen, dass es klappt, und das ist das Wichtigste beim Planen und bei dem Austausch selbst.

Die Austauschgruppe von 2012 auf Burg Špílberk mit Blick auf BrnoFlorian Schmitt: Vielleicht könnte man es so zusammenfassen, dass der Austausch bei euch mittlerweile über die Freundschaft und über die Sympathie, die man für den Anderen hat, getragen wurde und wird.

Beide: Ja. Sicher.

Peter Kaspar: Ich will noch etwas sagen. Das ist jetzt schon zum achten Mal, dass ich in Brünn bin, und ich fühle mich hier sehr wohl. Ich freue mich immer, wenn ich die Kolleginnen wiedersehe, und auch die Stadt mag ich sehr. Ich werde sicher privat noch einmal nach Brünn kommen, das habe ich fest vor.

Dana Ciencialová: Du bist herzlich eingeladen.

Florian Schmitt: Dann bedanke ich mich für dieses Interview.

Die Austauschgruppe von 2014 beim Bowling im Olympia-Einkaufszentrum n Brno

Die Austauschgruppe von 2014 bei der Besichtigung der Firma S & K Label in Kuřím mit Dana Ciencialová (links) und Florian Schmitt (rechts)Dana Ciencialová und Peter Kaspar