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Wirtschaftsgymnasium

Abitours

Ihre Reiseleiter Schilling, Horn und Harhoff nahmen Sie in Empfang. Vor dem traditionellen „Begrüßungscocktail“ gab es jede Menge Reiseformulare zum ausfüllen. Wir lernten Methoden, und wir lernten uns kennen. So gab es eine Profisportlerin unter uns, die auch für Nutellabrötchen und Armdrücken berühmt war, es gab einen, der „einen ganzen Sack voller Haustiere und Geschwister“ hatte und es gab zwei, die denselben Vor- und Nachnamen hatten, von denen einer später einen Aufsatz schrieb der für Aufregung sorgte.

Merkel und Sarkozy verhandelten gerade den Umgang der Euro-Länder miteinander, als ich mit der 11B Regeln verhandelte, wie wir miteinander umgehen wollten. In unseren 10 Geboten war damals u.a. zu lesen: „Du sollst Lehrer und Schüler mit Respekt und Toleranz behandeln, du sollst nicht schadenfroh sein, du sollst dich sozial und integrativ verhalten.“ Erlauben Sie mir an dieser Stelle ein Salut an meine Klasse: Es war faszinierend und motivierend für mich zu sehen, wie hervorragend und nachhaltig Ihr euch drei Jahre lang an eure eigenen Regeln gehalten habt! Diese Art des Miteinanders hat euch ausgemacht und geprägt, und dafür danke ich euch! Es gab keinen einzigen Tag, an dem ich nicht gern zu euch hereinkam!Aber ich bin mir sicher, dass es auch meinen Kollegen so ging und den Kollegen in den beiden anderen Klassen – auch wenn hier vom Hören-Sagen stärker Nebenjobs der Lehrer gefragt waren als Entertainer, Animateur, Souffleur, Mutter, Therapeut, Richter und Dompteur.Von letzterem konnte ich mich einmal live überzeugen.Der Wirbelsturm, der im Dezember 2011 für Chaos auf den Philippinen sorgte, muss bis ins Klassenzimmer der 11C gelangt sein. Es flogen Tische und Stühle durch die Luft, begleitet von stolzen Handyfilmern.

Ja, unter Reisenden gibt es immer auch Grenzgänger, besonders bei Fehlzeiten oder Hausaufgaben. Das tut den Noten nicht immer gut. Als die Costa Concordia sank, sank bei manchen auch die Laune als Sie das erste Zeugnis erhielten.

Doch die meisten von Ihnen betrachteten Ihre Zeit bei uns von Anfang an nicht als Abenteuerurlaub sondern als Bildungsreise und gaben kräftig Gas. Unterbrochen nur von kleinen Tagesausflügen zur Firma Schunk, zum Theater oder zum Praktikum, zur Volksbank und zum Breitenauer See kämpften Sie sich tapfer durch Berge von Stoff und Vokabeln. Sie programmierten und präsentierten, paukten und debattierten, rechneten und kalkulierten, reklamierten und resignierten. Es gab neue Fächer, darunter auch Spanisch. Ich habe oft überlegt, ob ich die Sprache gleich mitlerne, denn akustisch wäre das kein Problem gewesen – vor allem im Sommer bei offenen Türen, und zumal es auch gern mal Zusatzstunden gab in der unterrichtsfreien Zeit. Nun ist es zu spät, denn mit Ihnen wird uns auch unser sehr geschätzter Herr Caletti verlassen. Nie wieder das vertraute, lautstarke „silencio“ in den Fluren des WG-Turms! Lieber Herr Caletti, ich möchte Ihnen ganz herzlich danken für Ihr Engagement und für 9 Jahre Spanischunterricht am Wirtschaftsgymnasium!  

Zwischenstopp Klasse 12

Als Sandy in Amerika wütete, und Obama seine zweite Amtszeit antrat, da betraten Sie die Oberstufe. Zwar hatte niemand von Ihnen eine Reiserücktrittsversicherung, dennoch hatten uns etliche Schüler zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Einige gingen nach Tschechien und einer stieg gar für ein Jahr in den Flieger nach Amerika.

Auch ich stieg um, und zwar ins Krankenhaus. Ein Zwischenstopp der ganz anderen Art. Schweren Herzens musste ich Sie gleich zweimal  im Stich lassen.

Doch andere waren für Sie da! Ein Hoch auf Frau Gand und Frau Eckstein, die für mich einsprangen im Unterricht und bei der mündlichen Prüfung und ein Hoch auf Herrn Schmitt und Herrn Seyfarth, die von der Kursberatung in Klasse 11 bis zum Abitur immer für Sie da waren! Wie sagte einst Herr Kaleun im berühmten Film „Das Boot“: Gute Leute muss man haben!!

Doch zurück zur Klasse 12. Der Stoff wurde schwerer – und die Entschuldigungen immer einfallsreicher. Waren anfangs noch verschlafen, Kopfweh und Unwohlsein die Klassiker, so sprang pünktlich zum Führerschein das Auto nicht an. Auch in Polizeikontrollen geriet man nun gern oder musste die Mutter zum Arzt fahren. Einen Arzt der ganz anderen Art brauchten auch bald Ihre nagelneuen Taschenrechner. Ihre Lehrer waren begeistert, wie intensiv Sie damit rechneten. Ja, Mathe schien das neue Lieblingsfach zu sein! Besonders in der 12C. Sie waren unsere ersten Schüler, die es fertig brachten, so intensiv zu rechnen, bis die Taschenrechner schließlich allesamt den Geist aufgaben. Ja, Ärzte blieben ein Thema. Als Edward Snoden enthüllte, entlarvten auch wir einen Attestkünstler, der bei Ärzten war, die ihn gar nicht kannten.

Doch war dies nicht das maßgebende Bild. Der Großteil von Ihnen war nicht nur in Sachen Anwesenheit zuverlässig, sondern auch wenn es um besonderes Engagement ging. Sie waren Paten und Berichteschreiber, Kuchenbäcker und Hausmessenbetreuer, Vorsager und Technikassistent, Krankenschwester und Geldeinsammler, Aufräumer und Beamerkletterer, Klassensprecher und Pausenerinnerer, Abizeitschrift-Komitee und Theresienwiesenputzer. Ganz besonders bedanken möchte ich mich aber bei denjenigen, die sich für den Abiball heute Abend stark gemacht haben, insbesondere bei Florian Schoner, Lea Michelberger und Lea Spraul, Kerstin Adam, Theresa Straub, Wendy Leifeit, Simone Reuter und Marissa Archer.

Einige gingen nach Paris, andere nach Finnland, Uli Hoeneß ging in den Knast,

und das Schuljahr ging seinem Ende entgegen.

Zwischenstopp GardaseeIm Spätsommer 2013 ging Heino erstmals als Rocker auf Tour und wir gingen mit unseren Rockern auf Studienfahrt zum Gardasee. Am Tag als die Concordia weiter südlich aufgerichtet wurde, richtete uns der erste Anblick dieser imposanten Natur und dieses Traumwetters auf. Unweigerlich denkt man an romantische, italienische Oldies. Aber Sie waren da ganz anders inspiriert.  „Sie hatte nur noch Schuhe an!“ war das erklärte, lautstarke Lieblingslied. Mir klingeln noch heute die Ohren davon. Der Stoff aus dem diese Reise war, reicht eigentlich für mehrere Fahrten und mehrere Reden. Von Sonnenbrillenmafia, Notarzt und regelmäßigen Verspätungen beim Bus über nächtliche Randale, Bungalowflucht und verbotener Alkoholexzesse bis hin zu einem lebensgefährlichen Busfahrer auf

Speed war wirklich alles dabei, was das Lehrerherz begehrt. In Venedig sprang einer in den Canale Grande, ein anderer ging gleich ganz verloren. Ich bin an diesem Tag um Jahre gealtert. Doch ich möchte keine Minute dieser Studienfahrt missen! Und auch Ihnen ging es so, wie Sie uns in Ihrem Feedback allesamt bestätigten. Wir besuchten Mailand inmitten der Fashion-Week, erlebten den Temperatursturz am Monte Baldo, probierten Weine der Region und besuchten das malerische Malcesine. Doch was uns wohl besonders im Gedächtnis bleiben wird, ist das harmonische Miteinander, die vielen tollen Gespräche mit Ihnen. Es war schön mit Ihnen unterwegs zu sein!

Eine Studienfahrt steht und fällt auch ein wenig mit der Chemie und dem Herzblut der Menschen, die sie organisieren und begleiten. Ich danke Herrn Schlatterer, Frau Schilling und ganz besonders meinem leider ausscheidenden Kollegen Herrn Harhoff für die Organisation der Reise und für die ansteckende Gelassenheit in gewissen Momenten. 

Endspurt zum ZielKaum wieder zurück wählten die Deutschen die neue Regierung und Sie wählten Ihre Prüfungsfächer. Deutsch oder Englisch? Das war die große Frage. Jetzt wurde es ernst. Doch zuvor stand nochmal Reise auf dem Programm.Einige bekamen Besuch von den Finnen, andere packten schon wieder die Koffer für Indien.Alexander von Humboldt sagte einmal:

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“
Liebe Gäste, Sie merken schon, wir haben an der ASS stets versucht, Ihnen die Welt ein bisschen näher zu bringen. Einen ganz großen Anteil daran hatte unser Herr Kaspar, der ebenfalls gemeinsam mit Ihnen die Schule nun verlassen wird und dem ich auf diesem Weg ganz herzlich danken möchte für sein enormes und jahrelanges Engagement in Sachen Schüleraustausch.

So allmählich rückte das Ziel ins Blickfeld. Nie kam das Abi so früh wie diesmal.Die Nervosität stieg spürbar an. Schnell noch ein Referat halten, schnell noch den Crashkurs bei Herrn Bauke buchen, schnell noch die gefühlten 100 Klassenarbeiten schreiben.Die Sotschi-Teilnehmer hatten die Olympiade gerade hinter sich, als Ihre mit der ersten Disziplin Deutsch begann. In Englisch ließ man uns Lehrer allen Ernstes die Wörterbücher für Sie tackern (und später wieder enttackern), und Sie tackerten sich Argumente zusammen über die Anwendung von Überwachungstechnologien und die Bekämpfung von Global Warming. Ja, Sie waren in allen Disziplinen ganz schön gefordert, vor allem in Mathe und BWL. Doch die Gesichter, die ich jedes Jahr nach den Prüfungen intensiv im Treppenhaus studiere sagten mir: es war machbar. Zwar machte niemand einen Salto wie Klose nach dem entscheidenden Tor gegen Ghana, doch die Erleichterung war auch bei Ihnen deutlich spürbar.Egal wo Sie dann feierten – ob auf der Theresienwiese oder bei diversen Lehrern im Garten – sie hatten es sich verdient!

Doch vielleicht ging es dort heftiger zu, als so manch einer vertragen konnte, denn zwei Klassen fanden danach nur spärlich den Weg zurück zur Schule – für immerhin noch fast zwei Monate.

Kaum war die Kommunikationsprüfung überstanden, ging es ans Büffeln für die Mündliche Prüfung. Egal ob „Eva Braun“ oder „Fracking“,  „Doping im Sport“ oder „Brennstoffzelle“, „Menschwürde im Slum“ oder „Nahostkonflikt“ – es waren lauter interessante Themen auf Ihrer Wunschliste. Ihre Lehrer haben Sie beraten, waren drei Jahre Ihre Reisebegleiter und haben Sie sicher zum Ziel geführt. Dafür ein dickes Dankeschön an meine Kollegen! Auch Ihren Eltern verdanken Sie viel, Ihren Mitschülern und Freunden. Ja, es sind vor allem die Menschen, es sind die Ecken und Kanten an denen wir uns gerieben haben, es sind die Menschen mit denen wir diskutiert, gestritten und gelacht und geweint haben, die uns aus unserer Schulzeit in Erinnerung bleiben. Mögen all diese Gesichter für Sie nie verblassen und in lebhafter Erinnerung bleiben.

Heute sind SieAngekommen.

Heute halten Sie Ihr Zeugnis und vielleicht sogar einen Preis gleich im Anschluss in den Händen. Sie haben es geschafft und können sehr stolz auf sich sein! Ich freue mich, dass ich Ihnen nun endlich zu Ihrem Erfolg gratulieren kann!

Doch die eigentliche Reise beginnt jetzt erst für Sie! Auch wenn ich sicher bin, dass Sie alle Ihren Weg gehen werden, wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihr nächstes Ziel immer fest im Auge behalten, dass Sie aufgeschlossen und authentisch bleiben, und dass Sie immer gute Reisebegleiter an Ihrer Seite haben, die Sie fordern und antreiben, aber auch liebevoll auffangen und Sie wieder auf den rechten Weg bringen, falls Sie sich doch mal verlaufen sollten.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen beruflich und privat alles Gute, bleiben Sie wie Sie sind und  - gute Reise!