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Wirtschaftsgymnasium

Indien-Austausch vom 26.10.-10.11.2013

Alltag und Familienleben

Einer unserer ersten auffallenden Eindrücke war die indische Zeitorientierung, denn die Alltagsorganisation richtete sich meist nicht nach Pünktlichkeit oder Planung, was keinesfalls bedeuten soll, dass Inder unpünktlich oder unorganisiert seien. Eher ist es eine Mentalität, die das für uns Selbstverständliche in den Hintergrund stellt. Das Stereotyp, dass Familien mit mehreren Generationen zusammenleben, trifft auch in der Mittel- und Oberschicht zu, wobei man dies aber bei moderneren, westlich eingestellten Familien immer weniger findet. Wir lebten in wohlhabenden, bodenständigen Familien, zusammen mit Bediensteten und eigenem Fahrer, die für indische Mittel- und Oberschichtsverhältnisse als Standard gelten. Wobei auch einzelne von uns die Erfahrung machen durften, ein paar Tage im Dorf zu leben. Ganz besonders im Familienleben zeigt sich dann auch die Mentalität der Inder. Es gibt eine Gastfreundschaft, welche bei uns in vergleichbarer Form kaum zu finden ist. Sei es, nur schnell ein Gericht vorzubereiten, Tee oder Kaffee zu jeder Zeit anzubieten oder auf persönliche Wünsche einzugehen. Diese freundlichen und entgegenkommenden Gesten brachten aber auch Herausforderungen mit sich, da es schwer war, „nein“ zu sagen, wenn man keine Wünsche hatte. Ein weiterer Kontrast, denn wir bei uns eher seltener finden, war der enge familiäre Umgang miteinander. Dies wurde durch die Art und Weise wie die Familie kommunizierte oder auch durch die enge Beziehung zwischen Verwandten während der „Diwali“-Festtage deutlich.

Essen

Die indische Küche ist sehr abwechslungsreich und, wie es zu erwarten war, scharf. Die Familien wussten, dass wir „spicy food“ nicht gewohnt waren, und nahmen deshalb darauf Rücksicht,  aber auswärts war eine verbrannte Zunge kaum zu vermeiden. Für Vegetarier ist Indien ein Paradies. Gemüse und Obst sind viel häufiger und in größerer Vielfalt zu finden als in Deutschland. Ebenfalls wird sich ein Vegetarier über die Kennzeichnung von jedem Produkt als fleischig („non-veg“) oder nicht („veg“) freuen. Andererseits wird Indien für Fleischliebhaber zur ungewollten Diät, da Hindus hauptsächlich Vegetarier sind. Deshalb freuten  wir uns nach den zwei Wochen wieder auf das deutsche Essen.

Religion und Tradition

In Indien ist der Hinduismus die am weitesten verbreitete Religion, die einen wichtigen Status im Lebensalltag besitzt. Neben den drei Hauptgöttern Brahma (Schöpfung), Vishnu (Erhaltung) und Shiva (konstruktive Zerstörung / Umwandlung) gibt es über 300 Millionen Untergötter. Die Familien besitzen zudem auch einen eigenen Hausgott oder „Lieblingsgott“, den sie besonders verehren. Während der Diwali-Zeit, welches das hinduistische Neujahrsfest ist, gab es zahlreiche Rituale wie zum Beispiel morgendliche Massagen, das Baden mit bestimmten pflanzlichen Ölen, oder Gebete und Gesänge zur Dankbarkeit für den Wohlstand der Familien. Vor allem diese Traditionen, die man im normalen Alltag eher seltener findet, verdeutlichen während der Festtage den engen Bezug zum Glauben. Weitere Merkmale des Diwali-Festes waren neben dem Besuch von Verwandten das Schmücken der Häuser mit Lichterketten, bunten Laternen und Teelichtern, die die Farbenpracht Indiens zeigten.

Verkehr

Die meisten Geschichten bietet jedoch der indische Straßenverkehr, ein wahres Abenteuer. Neben den für uns ungewohnten Linksverkehr herrschte dort lautes Hupen. Vorfahrtsregeln fehlten völlig. Deshalb war man froh, wenn man unbeschadet von einem Punkt zum anderen gelangte. Wobei man auch sagen muss, dass die Inder viel rücksichtsvoller fahren und dass das Hupen keinesfalls ein Zeichen der Verärgerung, sondern eher ein Zeichen der Aufmerksamkeit ist. Hierzu auch ein Zitat eines indischen Gastvaters zum indischen Verkehr, das dies ganz amüsant umschreibt: „There is a system, the system works, but the only thing is, you can’t see it.” Was man aber vergeblich sucht, ist das Stereotyp „heilige Kühe auf den Straßen“, die man in der Stadt nur sehr selten sieht und eher auf dem Land findet.

Weitere Eindrücke

Die Problematik mit der Zeitumstellung hatte man nach ein paar Tagen überwunden und auch an den Temperaturunterschied von bis zu 35 Grad tagsüber und 25 Grad nachts konnte man sich schnell gewöhnen.Auffallend ist auch, dass Indien immer mehr Einflüssen aus dem Westen ausgesetzt ist, was man beispielsweise am indischen Kleidungsstil erkennt. Dort trifft Tradition auf Moderne. Viele Menschen laufen mit Jeans und T-Shirts herum. Aber andererseits gibt es auch viele, besonders Frauen, welche schöne und bunte Saris oder traditionelle Kleider tragen. Trotz aller Reformen ist Indien aber immer noch ein konservatives Land, weshalb man nicht gerade in Hot Pants oder anderen freizügigen Klamotten herum laufen sollte. Denn Sexualität ist in der Öffentlichkeit nach wie vor ein absolutes Tabu-Thema. Des Weiteren gibt es in Indien die Möglichkeit, viele Dinge für sehr wenig Geld zu bekommen. Das sieht man besonders beim Einkaufen von Klamotten, sowie beim Essen im Restaurant oder wenn man mit einer Autorikscha irgendwo hin fahren wollte.

Fazit

Zusammenfassend war der Austausch mit Indien eine einmalige und lohnenswerte Erfahrung und ist somit für jeden/jede Austauschinteressierte(n) eine Empfehlung wert. Unsere Eindrücke und Erlebnisse waren sehr positiv. Wir haben viele neue und interessante Dinge über eine andere Kultur gelernt, die wir anders als bei einem Austausch nie hätten erfahren können. Wir möchten uns hiermit auch nochmal bei unseren Austauschpartnern und ihren Familien für zwei tolle und unvergessliche Wochen bedanken, sowie bei Herrn Kaspar und Herrn Seyfarth, die mit viel Aufwand und Arbeit uns dies ermöglichten. Jannik Schestag und Robin Heydenreich, WG12C

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