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Wirtschaftsgymnasium

Monopoly – Abiball 30. Juni, 2012

Bei Monopoly sollte man als Grundlage möglichst viele Straßen haben um später in Häuser und Hotels investieren zu können. Die Straßen beim Monopoly, das war Ihre  Eingangsklasse. Hier wurden die Grundlagen gelegt um später in der Jahrgangsstufe auf ein gutes Abitur zu bauen. Sie machten sich ans Werk und fingen an zu schauen wo die Mitspieler so standen. Da flogen beim Vergleichen gelegentlich auch mal die Fetzen. Vor allen Dingen aber und darüber freue ich mich sehr war es der Beginn zahlreicher tiefer Freundschaften,  wie Ihre Zeitschrift eindrucksvoll bestätigt. Da kann man Gedichte und wahre Liebeserklärungen finden. Auch die Beziehung zu Ihren Lehrern scheint vielleicht nicht immer perfekt aber doch gewachsen zu sein. In einer Chemieklassenarbeit hieß es: „Ich habe keine Ahnung von Chemie. Aber Hauptsache die Chemie zwischen uns stimmt.“

 

Auf dem Spielfeld folgt nun das Gefängnis. Gott sei Dank mussten wir trotz gelegentlicher krimineller Energie, wie man nun nachlesen kann niemanden  dort besuchen. Doch bei 30 Grad im Sommer kommt einem die Schule manchmal wie ein Gefängnis vor. Deshalb war es toll, dass nun die Seestraße kam und man einen tollen Tag am Breitenauer See oder auf diversen Lehrerterrassen ver-bringen konnte.

 

Kurz nach der Seestraße kommt der Bahnhof. Ein Teil von Ihnen traf sich hier mit Herrn Kaspar, um gemeinsam die Reise nach Tschechien anzutreten.

 

Doch bevor es nun weitergeht, sagt eine Gemeinschaftskarte: Gehe drei Felder zurück. Damit stehen wir auf der Neuen Straße und sind beim Start in die Jahrgangsstufe. Nun wurde es ernst. Die erworbenen Straßen und Grundlagen wurden nun bebaut mit Pauken und Punkten, mit Formeln und Transfer, mit Wortschatz und Lektüren, mit Exkursionen und neuen Fächern.

Zunehmend kristallisierten sich wahre Talente aber auch weniger Begnadete heraus und so manch einer musste im Laufe seiner Schulzeit  eine Runde auf Frei Parken aussetzen.

Hier konnte man wachsen und gedeihen. Aber auch ohne Ehrenrunde wuchsen Sie. Einer wuchs ganz besonders, bis hinein in die Schuhgröße 51,5!

Doch nicht nur körperlich und geistig, auch kulturell bildeten Sie sich weiter. Die Theaterstraße bei Monopoly  lässt mich  an den Besuch der alten Dame und an Herrn Welsch denken, an gewisse Heulfilme im Englischunterricht, an Zauberer und Sängerinnen,  Dichter und Rapper unter Ihnen, an Vortänzer und Lebenskünstler, an Regisseure und Schauspieler und an den ein oder anderen großen, dramatischen Auftritt.  Vor allem wenn es um Noten ging. Ja, da wurden stille Wasser plötzlich zu wahren Energiequellen, zu reißenden Flüssen! Vor allem wohl daheim, denn so manch ein Protest war da zu hören. Vielleicht nicht immer ganz unberechtigt. Doch, seien wir ehrlich, so manch einer von Ihnen hat statt Straßen zu bebauen vielleicht auch lieber „in Facebook die Lage gecheckt“ oder saß auf dem Opernplatz um dort gemütlich einen Kaffee zu trinken.

 

Aber bleiben wir in der Reihenfolge.

Nach der Theaterstraße kommt auf dem Spielfeld erstmal das Ereignisfeld und lässt uns noch einmal zur Seestraße vorrücken. Zum ersten Mal Finnland, das Land der Seen und des Dauerregens! Aber Sie haben es mit Humor genommen.  In Jyväskylä bestaunten und diskutierten wir die Schule im Land der Pisa-Sieger. Es hat Spaß gemacht, Sie hier zu begleiten.

 

Ereignisfeld heißt auch Seminarkurspräsentation. Zwar mussten sie nicht wie im Spiel 1000,00 Euro Versicherungssumme zahlen, doch war der Seminarkurs für den ein oder anderen eine wertvolle Versicherung heil durch´s Abitur zu kommen. Fleißig wurden Teams gebildet, übrigens nicht nur für den Seminarkurs. Es gab auch professionelle Arbeitsteilung bei Klassenarbeiten, bei denen einer, ich zitiere „für das Logische und der andere für das Auswendiglernen“ zuständig war.

 

Die Museumsstraße bei Monopoly  führt uns zum Reichsmuseum in Amsterdam, doch war dies sicherlich nicht der bleibendste Eindruck Ihrer Studienreise. Ich lese von nächtlichen Grachtenfahrten, von Supp und Said in Bestform, von begnadeten Orientierungskünstlern und deren Irrfahrten mit der Bahn und von schlaflosen Nächten in einer beeindruckend schönen Stadt.

 

Leider ist das Leben nicht nur eine große Reise auch wenn man das gerade an der ASS gelegentlich denken kann. Sie haben an unserer Schule sehr viele Möglichkeiten erhalten, über den Tellerrand hinaus zu schauen und andere Kulturen und Mentalitäten wirklich nachhaltig kennen zu lernen. Einigen von Ihnen steht mit der Reise nach Indien noch ein großes Highlight bevor. Ich wünsche Ihnen unvergessliche Eindrücke in diesem Land der fehlenden Uhren und der bunten Farben.

Nicht immer geht Austausch reibungslos und pannenfrei und oft ist dabei auch Toleranz und Gelassenheit gefragt. Doch was wäre ein Austausch, an dem Schüler und Lehrer, Gäste und Gastgeber nicht wachsen können? Sind es wirklich die Tempel oder Kirchen, die perfekten Abläufe an die man sich erinnert oder sind es die Menschen, die Unterschiede, die kleinen Missverständnisse und Anekdoten, an die man gern zurückdenkt? Einige von Ihnen haben das verstanden und unser Angebot intensiv genutzt. Mein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle an Sie, liebe Eltern und an unseren Herrn Kaspar und Herrn Seyfarth für ihr Herzblut und ihr wirklich großes Engagement.

 

Aber zurück ins Spiel. Der Endspurt begann mit einem neuen Fach. Lessing-, Schiller und Göthestraße, stehen für den Literaturkurs bei Herrn Lasalle. Tolle Heilbronn-Gedichte sind dabei entstanden. Wir trafen uns am Rathausplatz um sie vorzustellen.

 

Doch langsam ging es nun entlang dem Crashkurs-Kreuzle bei Wüstenrot, zur Hauptstraße: dem Abitur. Hektisch wurde, ich zitiere, „Lisa´s Superhirn geborgt“ und „Global Zusammenfassungen verkauft“. Einige blieben, tiefenentspannt wie Boateng bei der EM, bis zum Schluss ihrem Motto treu: „Coolheit bringt dich sicher durch´s Abitur!“

 

Am 19. März war es soweit, es begann mit Deutsch. Die ganze Schule schaute auf sie und alle drückten die Daumen. Sie interpretierten, rechneten, übersetzten, buchten und analysierten und tankten bei Fabian einen Tag vor der Wirtschaftsprüfung noch mal kurz den Stoff, damit Sie es , ich zitiere „nicht verkackten“.

 

Doch trotzdem, darauf bringt mich die Bahnhofstraße bei Monopoly, verstanden einige von Ihnen wohl nur Bahnhof. Ja, Mathe und Wirtschaft, die Angstfächer. Das Ende der Coolheit und der Teamarbeit. Die Tage der Wahrheit. Nicht alle kamen glücklich aus diesen Prüfungen raus.  So manchen von Ihnen hätte ich am liebsten in den Arm genommen, als Sie so betrübt die Treppen hinunterschlichen. Wir Lehrer litten mit Ihnen. Doch es gab auch Erleichterung und Erfolge.

Stolz wie Oskar war ich auf Sie, als Sie mir in Englisch einen 10-Punkte-Schnitt servierten. Auch Ihr Schimpfen in den Folgewochen: „Frau Horn, Sie sind die Einzige die noch Unterricht macht!“ konnte mir diese Freude nicht madig machen. Wenn Schüler mit mir schimpfen, dann mache ich meistens alles richtig.

 

Ja, die Folgewochen. Die Parkstraße steht hier wirklich für Parken. Natürlich gingen Sie erstmal feiern und das war Ihnen auch von Herzen gegönnt. Einige schienen vom Feiern aber gar nicht recht wieder zurückzukehren. Hallo? Es war noch nicht zu Ende. Ein letztes Mal lernen, ein letztes Mal Zeugnis. Schließlich hieß es: „Rücke vor bis zur Schlossallee“: Die Mündlichen Prüfungen standen vor der Tür. Von „Rassismus im Sport“ über „Natives in America“ bis hin zu „Hitlers Kriegsmacht“ präsentierten und schwitzten Sie bei gefühlten 40 Grad im Schatten. Gelegentlich gab es Tränen, doch meistens strahlende Gesichter:  Es war endgültig geschafft!

 

Ich bin heute Abend sehr stolz auf Sie! Es war toll Sie bei uns zu haben!

 

Nun heißt es erneut für Sie „Auf Los geht´s los!“  So bunt wie Sie einst zu uns kamen, so bunt sind auch Ihre weiteren Pläne und sehr bald werden sich Ihre Wege trennen. Ich wünsche ich Ihnen, dass Sie in Kontakt bleiben, dass Sie Ihre Schulzeit in guter Erinnerung behalten, dass Sie immer Menschen finden, die Sie gern haben und Sie fordern, die ein großes Stück gemeinsamen Weg mit Ihnen gehen und sich mit Ihnen über Erfolge freuen.

 

Ihr Startkapital für Ihr weiteres Leben haben Sie nun in der Tasche, machen Sie was draus! Das Abitur ist nur der Anfang aller Prüfungen, die Sie noch bestehen müssen. Sie übernehmen nun Verantwortung für sich und für andere. Ich wünsche Ihnen dazu Feingefühl, Kraft und immer die richtigen Entscheidungen. Viel Erfolg, viel Glück, alles alles Liebe für Sie und Ihre Familien und bleiben Sie cool!

 

Kerstin Horn