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Bericht Heilbronner Stimme zur Verarbschiedung von Schulleiter Dr. Herbert Wolf

Fairer Umgang ist Wolf wichtig

Bericht der Heilbronner Stimme vom 20. Juli 2011; Foto: Guido Sawatzki

Fairer Umgang ist Wolf wichtigEines seines jüngsten Projekte: Die Stiftung der Andreas-Schneider-Schule. Am Donnerstag wird Schulleiter Herbert Wolf in den Ruhestand verabschiedet.  

Rektor - Seit 19 Jahren leitet Dr. Herbert Wolf die Geschicke der Andreas-Schneider-Schule (ASS) in Heilbronn-Böckingen. An diesem Donnerstag wird der Schulleiter in den Ruhestand verabschiedet. Sein Stellvertreter Dieter Ahrweiler übernimmt dann die Schulleitung. Friedhelm Römer hat sich mit Herbert Wolf unterhalten.

Herr Wolf, mit Ihren 64 Jahren gehören Sie zur 68er Generation. Fühlen Sie sich als Alt-68er?

Dr. Herbert Wolf: Das kommt darauf an, wie man es sieht. Ich fühle mich als Aktiver. Ich freue mich, wenn junge Menschen kritisch sind. Wir waren damals kritisch und haben Dinge infrage gestellt. Wenn wir den jungen Menschen weitergeben können, im positiven Sinne Dinge zu hinterfragen, wäre das wunderbar. Es kommt im Leben stark auf die eigenen Wertmaßstäbe an.

Welches sind Ihre Wertmaßstäbe?

Wolf: Meine Wertmaßstäbe sind Verlässlichkeit, Vertrauen, partnerschaftliches Miteinander. Mir ist wichtig, dass die Menschen fair miteinander umgehen.

Wo stand die ASS bei Ihrem Amtsantritt und wo steht sie heute?

Wolf: Mein Vorgänger Hubert Bläsi, der die Schule von 1968 bis 1991 leitete, hat mir eine intakte Schule mit einem guten Geist hinterlassen. Damals war es eine reine Berufsschule. Die Vollzeitschularten waren nicht so ausgebaut wie heute, aber das war eine Entwicklung der Zeit. Bläsi gründete 1991 den Förderkreis mit vielen führenden Persönlichkeiten des Heilbronner öffentlichen Lebens. Als Schulleiter kann man neben der notwendigen Verwaltung auch viel gestalten. Das macht den Beruf so interessant.

Wie gestalten Sie?

Wolf: Indem ich Schwerpunkte im Unterricht setze. Aber auch in der Weiterentwicklung der Schule kann ich gestalten: eine Handlungsorientierung geben oder Englisch in der Berufsschule mit einer Zertifizierung. Das Angebot der Fachhochschulreife in der Berufsschule. Wir haben dies als Projektschule einst mit auf den Weg gebracht.

Welche Meilensteine gab es in den vergangenen 19 Jahren?

Wolf: Die Erweiterung 1996 war ein wichtiger Punkt. Aber für mich waren es vor allem einige Veranstaltungen. Bruno Jonas hat 1994 vor 600 Zuschauern in der Aula von 20 bis 24 Uhr gespielt. Das war fantastisch. Wichtig waren auch der Prozess der Namensgebung und die Gründung der Stiftung 2009.

Welche größeren Probleme mussten Sie meistern?

Wolf: Im Nachhinein werden Probleme immer kleiner. Dann sieht man sie gelassener. Die Zeit, als das Deputat auf 25 Stunden erhöht wurde, war schwierig. Wir haben zwei Jahre Stillstand gehabt, weil unsere hochmotivierten Lehrer nicht mehr eingesehen haben, dass sie mehr arbeiten sollten für das gleiche Geld.

Was machen die heutigen Schüler aus im Vergleich zu Ihrer Zeit?

Wolf: Sie sind genauso leistungsbereit. Sie haben andere Qualifikationen. Sie sind interessiert. Wir messen dies mit unseren Maßstäben, aber das sollten wir nicht tun. Sie sind fit im Umgang mit den neuen Medien und sehr kommunikativ.

Welche Werte gehen − möglicherweise durch die gesellschaftliche Entwicklung − verloren?

Wolf: Ich wünsche mir mehr Höflichkeit und mehr Rücksichtnahme. Auch könnten sich Schüler noch mehr identifizieren mit der Schule.

Wir stehen vor tiefgreifenden Veränderungen, unter anderem wegen der demografischen Entwicklung. Derzeit hat die ASS 2700 Schüler. Wie sieht die Bildungseinrichtung in zehn Jahren aus?

Wolf: Wir werden insgesamt 200 bis 300 Schüler weniger haben, aber auf einem hohen Niveau bleiben, weil wir so starke Betriebe in der Region haben. Die Schule bleibt differenziert, und wir werden auf diese Herausforderung Lösungen finden müssen. Ich sehe unsere Schule aufgrund ihrer Größe gut aufgestellt. Der Unterricht entwickelt sich weiter. Es wird nach Lernfeldern gehen. Man sieht das Ganze vernetzt. Die Methodik verändert sich, doch entscheidend bleibt die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler und die Persönlichkeit des Lehrers.

Welche Herausforderungen wird Ihr Nachfolger zu bestehen haben?

Wolf: Die neue baden-württembergische Landesregierung macht wohl ernst damit, das chronische Unterrichtsdefizit abzubauen, das bei uns fünf Prozent beträgt. Die Anforderung an Führung ist gewachsen. Lehrer an der Schule müssen motiviert werden. Die innere Steuerung wird zunehmen.

Wie geht es bei Ihnen weiter? Fallen Sie in ein tiefes Loch?

Wolf: Ich sehe den Übergang positiv, werde mehr Sport treiben und mit meiner Frau reisen.