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Wirtschaftsgymnasium

Frischkornmüsli statt Reis

Ilsfeld - Das Leben hier ist völlig anders", sagt Preeta. Das 17-jährige Mädchen kommt aus der Stadt Bangalore im Süden Indiens und ist im Rahmen eines Schüleraustauschs zwei Wochen zu Gast im Schozachtal.

Für das Wirtschaftsgymnasium der Andreas-Schneider-Schule in Heilbronn-Böckingen ist es der erste Austausch mit Indien (siehe Artikel auf Seite 30). Die deutschen Schüler, darunter Preetas Austauschpartnerin Anna Knödler, waren schon im Herbst vergangenen Jahres zu Besuch in Bangalore. Ihren Nachnamen kürzt die Inderin ab und gibt ihn einfach mit A an. "Sonst ist er viel zu lang", begründet sie. Es ist der Vorname ihres Vaters.

Wunderschön Unterhalten kann sie sich mit ihrer Gastfamilie auf Englisch. "Es ist so wunderschön hier. Alles ist so grün. Es gibt so viele Bäume", staunt sie immer wieder. Verwundert ist sie auch darüber, dass die Gegend hier lange nicht so überbevölkert und der Verkehr nicht so dicht gedrängt ist. In ihrer Heimat fahren selbst auf großen Straßen neben Autos und Motorrädern auch Fahrräder und Motor betriebene Rikschas. Selbst zahlreiche Kühe tummeln sich zwischen den Fahrzeugen. "Der Verkehr bei uns ist entsetzlich", berichtet das schwarzhaarige Mädchen. Viele Frauen würden deshalb, obwohl sie einen Führerschein besitzen, lieber einen Fahrer anstellen, als selbst das Auto lenken.

Preeta freut sich über all die Erfahrungen, die sie bei ihren Gastgebern, der Familie Knödler in Auenstein macht. "Als Tourist könnte ich nicht so viele Einblicke in das deutsche Familienleben bekommen", weiß sie. So ist es für sie neu, dass die ganze Hausarbeit von den Familienmitgliedern selbst übernommen wird. In Indien gehen viele Frauen arbeiten und haben für die Hausarbeit Angestellte. Die Arbeitslöhne sind viel niedriger als in Deutschland.

Ein bisschen neidisch blickt Preeta auf Anna. Wie alle deutschen Mädchen kann die 19-Jährige eigenständig, auch mit dem Auto, unterwegs sein. Preeta darf die Hausanlage mit rund 200 Einwohnern, in der sie mit ihren Eltern und ihrem Großvater in einer Wohnung lebt, nicht alleine verlassen. "Ich wäre auch gerne selbstständiger", betont sie. Neu ist für sie auch das deutsche Essen. Doch Preeta hat alles ausprobiert. So hat sie statt Reis und Gemüse zum Frühstück Frischkornmüsli, Vollkornbrot oder Brötchen mit Quark und Marmelade gegessen. Besonders hat sie Spätzle, Kartoffel-Kürbissuppe, jede Art von Nudeln und selbst gebackenen Kuchen genossen. "Ich liebe das deutsche Essen", sagt die Vegetarierin. Noch nie habe sie solch guten Kuchen gegessen. Sie empfindet die Menschen hier als sehr freundlich und warmherzig.

Tolle Autos Ein dicht gedrängtes Programm hat die Schülerin absolviert. Neben den Städten Heidelberg, Stuttgart, Bad Wimpfen und Schwäbisch Hall hat sie das Mercedes-Benz-Museum oder die Firma Audi in Neckarsulm besucht. "So tolle Autos", hat sie immer wieder, auch bei der Schozachtal-Klassik in Ilsfeld geschwärmt. Für geschichtsträchtige Bauwerke wie Schloss Stettenfels, Kilianskirche oder Götzenturm in Heilbronn interessierte sie sich ebenso. München und der Bodensee sind auf dem Programm gestanden, bevor der Flieger am morgigen Donnerstag wieder in Richtung Heimat abhebt.