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Wirtschaftsgymnasium

Praktikum bei der Baufirma Unistav in Brno, Tschechien

besichtigten wir den hauseigenen Helikopterlandeplatz, der allerdings noch nie zum Einsatz kam. Ein weiteres kleines Highlight war das zum Großteil in Gold und Dunkelgrün gehaltene Büro des Chefs.

Nach diesem ersten Eindruck erklärte uns Herr Navrátil die Funktion des Unternehmens und den Ablauf von Bauaufträgen. Unistav ist für die Koordination und Kontrolle auf dem Bau zuständig, das heißt die Firma übernimmt die komplette Bauleitung.

Auf diese theoretische Einführung folgte nun die Besichtigungen einiger Baustellen und damit der mehr praxisbezogene Teil.

Als erstes besuchten wir die Baustelle der Universität von Brno. Nachdem wir unsere vorschriftsmäßige Sicherheitskleidung angelegt hatten, betraten wir mit dem zuständigen Bauleiter die Baustelle. Er erklärte uns die verschiedenen Arbeitsschritte und den Zeitplan, welcher sehr wichtig in der Baubranche ist. Diese Erläuterungen waren sehr aufschlussreich. Durch die hohe Anzahl von männlichen Arbeitern wurde uns bewusst, dass die Bauindustrie ein sehr von Männern dominiertes Gewerbe ist.

Um uns die Zeit zwischen zwei Baustellen zu vertreiben, besuchte Herr Navrátil mit uns ein Museum über die Entwicklung des Menschen.  Nach einer kleinen Stärkung bei McDonalds ging es dann weiter zur nächsten Baustelle. Diesmal besichtigten wir ein Krankenhaus, das gerade erweitert wurde. Dort bekamen wir die raue Seite des Baugewerbes zu spüren. Die stark umgangssprachlich geprägten Diskussionen zwischen den Arbeitern zeigten uns, dass man auf dem Bau nicht zimperlich sein darf.

Am darauf folgenden Morgen trafen wir uns am Busbahnhof von Brno, da uns dort Herr Navrátil mit seinem 6-gängigen VW abholte, um nach Prag zu fahren. Die Fahrt war kürzer als erwartet, da es auf den tschechischen Autobahnen so gut wie keine Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt oder sich eben kein Mensch daran hält. Wir rauschten also mit einer gemütlichen Durchschnittsgeschwindigkeit von 180km/h einmal quer durch Tschechien nach Prag.

Dort angekommen stand uns eine weitere Baustellenbesichtigung bevor. Diesmal war es ein 4-Sterne-Hotel, direkt neben einem weitläufigen Aquapark, welcher in einem „idyllischen“ Industriegebiet lag. Auf unsere Frage, weshalb man ausgerecht hier bauen würde, meinte der Bauleiter, es sei keine Frage des Ortes, sondern es zähle einzig und allein, dass man in Prag gebaut habe und das luxuriöse Umfeld (der Aquapark, welcher übrigens vom selben Investor finanziert wurde). Des weitern erfuhren wir, dass die Bauarbeiten nun schon über den Zeitplan hinaus andauerten. Die Begründung dafür lag darin, dass die Ausrichtung des Krans zu Beginn falsch errechnet wurde. Dieser kippte daraufhin um, 4 Arbeiter kamen ums Leben und auch die Hälfte des bereits fertig gestellten Rohbaus des Hotels wurde eingerissen.

Nach all diesen ernüchternden Fakten fuhren wir in die Innenstadt, wo Herr Navrátil uns absetzte, da er Termine hatte. Wir besichtigten die überaus bezaubernde Altstadt von Prag, und unsere tschechischen Austauschschülerinnen gingen mit uns auf den (etwas verkürzten) „typischen Touri-Rundgang“. Dieser beinhaltet die Besichtigung der Aposteluhr am Marktplatz, der Karlsbrücke und des Marktes. Dort deckten wir uns mit tschechischen Oblaten ein, welche als kleines, delikates Mitbringsel für unsere Lieben zu Hause dienten.

Abschließend bleibt nur zu sagen, das Herr Navrátil ein äußerst charmanter, netter und unkomplizierter Typ ist und sich hervorragend um uns gekümmert hat. Wir haben unser Praktikum sehr genossen und können es nur wärmstens weiterempfehlen.

Ein Bericht von Isabel Mattes und Katharina Wiese, WG12C