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Wirtschaftsgymnasium

Abi-TÜV 2009

Kann mal jemand das Modell herschieben? (Ein Abiturient wird auf die Bühne geschoben).

Bevor ich nun mit der eigentlichen Untersuchung beginne, muss ich Ihnen ein wenig von diesem Modelljahrgang erzählen.

Es handelt sich hier um ein Exemplar, dass ab dem Jahre 1989 in Produktion gegangen ist. Da es mit sehr viel Liebe zum Detail gemacht wurde, ist es jedoch erst 9 Monate später vom Band gelaufen. Inzwischen hat es schon etwa zwei Jahrzehnte auf dem Buckel! Man kann diese Serie also nun durchaus als sogenannte Youngtimer einstufen.

Wie sie hier alle sehen können, handelt es sich um eine sehr limitierte Auflage, denn nur 56 wurden davon hergestellt. Dies macht diese Serie besonders wertvoll.

Nun, der letzte TÜV war vor drei Jahren – damals hieß er noch Mittlere-Reife-TÜV – es wird also höchste Zeit für eine gründliche Untersuchung, denn die letzten drei Jahre war das Mo-dell den härtesten Bedingungen ausgesetzt. Das hat natürlich Spuren hinterlassen.

 

Punkt 1 auf meiner Liste: die Optik

Wenn wir das Modell heute so ansehen, so ist der optische Eindruck doch sehr positiv. Trotz einiger kleiner Kratzer am Lack, die vielleicht in Wien oder beim Toben im Flur entstanden sind oder – wie beim Sondermodell Pfirsing – beim Bespringen von Wänden.

Es ist ja nicht gerade ein sportliche Serie, wenn man vom Sondermodell Tonhäuser mal ab-sieht, dessen sportliches Fahrwerk und Beschleunigung von 0 auf 100 Spitzenwerte aufweist. Im Allgemeinen fehlen bei dieser Serie aber die Ralleystreifen und der stromlinienförmige Gesamteindruck. Doch gerade die Ecken und Kanten sind es, die aus einem Modell ein Lieb-haberobjekt machen und ihm seine liebeswerten, charakteristischen Züge geben! Insgesamt vermittelt die Serie einen sehr freundlichen, aufgeschlossenen Eindruck von Solidität und Zuverlässigkeit. An der Karosserie sind einige Materialermüdungserscheinungen und Hagel-schäden festzustellen (die besonders in gewissen Englisch- und BWLstunden sichtbar wurden). Aber bei entsprechender Politur (zum Beispiel bei Grillfesten oder in der Werkstatt Laube oder Creme 21) dürfte davon nichts mehr zu erkennen sein.

 

Punkt 2: der Verbrauch

Im Verbrauch liegt es etwas über der DIN-Norm – wobei es erstaunlicherweise im Ruhestand mehr schluckt als im Stadt- oder Landstraßenverkehr. Die leistungsstarke aber auch sehr ver-brauchsintensive Sonderausgabe Nied bringt es dabei auf bis zu 3 Liter in einer Stunde (die auch mindestens dreimal in der Stunde wieder abgebaut werden müssen!). Das schöne an die-ser Serie ist, dass sie wahlweise mit Bier, Wasser, Eistee oder Kaffee getankt werden kann. Es handelt sich also um kostengünstige, umweltschonende so genannte Allesschlucker.

 

Punkt 3: die Geländetauglichkeit und das Handling

Nicht so arg schlucken kann diese Serie gelegentliche Frust-Schlaglöcher, hier wäre noch ein bisschen Feinabstimmung beim Fahrwerk notwendig. Aber sicherlich sollten diese Modelle auch nur von Fahrern gesteuert werden, die liebevoll und sanft damit umgehen können und nicht zu heftig Gas geben, die nicht die Gänge zu hoch ausfahren oder unnötige heftige Vollbremsungen machen, die den Motor abwürgen. Dann zeigen sich die Stärken dieses Jahr-gangs. Und dann bedarf es auch nicht mehr allzu großer Kraftanstrengungen des Lenkers, das Gefährt auch auf holprigen Straßen in der Spur zu halten.

Gut geeignet ist das Modell für Präsentationen  und Reisen ins Ausland. Es handelt sich um die erste Serie, die global studiert wurde und die zum Modellaustausch in Brünn war und auch dort einen guten Gesamteindruck hinterlassen hat.

 

Punkt 4: die Technik

Das Handy gehört zur technischen, stets sichtbaren Serienausstattung dieses Modells. Auch MP3 und ipod gilt zunehmend als wichtige Grundausstattung. Als serienmäßiges Extra kön-nen wir bei allen Modellen nun auch einen souveränen Einsatz von Laptop und Präsentations-technikausstattung bestätigen. Dennoch sollten wir uns nun die grundlegenden Einzelteile mal genauer anschauen.

Der Motor läuft manchmal etwas schleppend und gibt gelegentlich etwas schräge Töne von sich (besonders wenn seine Leistung auf dem Prüfstand steht), doch besteht kein ernster Grund zur Sorge. Bei guter Pflege wird er noch große Strecken meistern. Das Modell hat bewiesen, dass es gelegentliche Zusammenstöße gut verkraften kann. Die Stoßdämpfer scheinen zwar schon etwas abgenutzt aber noch voll einsatzfähig zu sein.

Die Innenbeleuchtung ist nicht immer ganz hell. Es kommt gelegentlich zu Aussetzern und Wackelkontakten. Insbesondere wenn sie längere Zeit (zum Beispiel bei Mathearbeiten) auf Hochtouren laufen musste. Hier scheint es eine kleine Fehlkonstruktion zu geben. Denn das Modell schaltet dann automatisch auf Stillstand oder lautstarken Radiobetrieb um. Oder gar beides. Ich empfehle den Fahrern, den Motor dann sehr sanft wieder zu starten und im un-teren Drehzahlbereich zu bleiben. Erwähnenswert sind jedoch einige Sondermodelle wie Schulz, Wildt und Weber, die eine extrem gute Innenausstattung in allen Bereichen aufweisen und für Langstrecken (zum Beispiel ins Medizinstudium) und Nachtfahrten, ja selbst für Rennstrecken bei der krisengeschüttelten Formel 1 bestens geeignet sind.

Sowohl Keilriemen als auch Einspritzdüse funktionieren noch prächtig. Hier gab es noch kei-ne Beanstandungen. Auch der Auspuff scheint noch in Ordnung zu sein.

Obwohl das Modell an der ASS bereits als Auslaufmodell gehandelt wird, verbreitet es meistens relativ wenig Gestank, so dass auf den Einbau eines KATs verzichtet werden kann. Auch ein Navi scheint nicht nötig, denn dieses Modell weiß auch so recht gut wo es lang geht und wird seinen Weg von ganz allein finden!

Nachdenken sollte man aber vielleicht über den Einbau einer Klimaanlage um innere Tempe-raturschwankungen bedingt durch Klassenteilung, Hausaufgabenkontrollen, zu spät kommen-de Lehrer, Crashkurs-Diskussionen oder Cooper-Testfahrten auszugleichen.

 

Punkt 5: Abschließende Bemerkungen

Insgesamt kann ich keine größeren Mängel feststellen. Trotz großer Krise in der Automobilin-dustrie ist das Modell bestens verarbeitet und gewartet worden und scheckheft gepflegt – ins-besondere heute. Mein Dank gilt allen Fahrern, die sorgfältig und liebevoll damit umgegan-gen sind, die auch in stürmischen Zeiten das Modell nicht im Regen haben stehen lassen und denen es vielleicht gelungen ist, mit den vielen Fahrstunden, den Exkursionen und Operatio-nen, den Diskussionen und ganz bestimmt den besten Intentionen das ein oder andere Extra einzubauen.

Herausgekommen ist ein wunderbares Modell auf das wir alle sehr stolz sein können und dass auf seinem weiteren Weg hoffentlich noch viele schöne schlaglöcherfreie Strecken erlebt und dabei nichts von seiner Funktionstüchtigkeit, seiner Spritzigkeit und seinem Charme verliert. Wir können nur hoffen, das noch viele Modelle wie diese hergestellt werden.

Ich freue mich, Ihnen nun den ASS-TÜV-Stempel geben zu können (ASS-Logo auf „HN ABI 2009“) und wünsche Ihnen allen, dass Sie die ASS in guter Erinnerung behalten und dass Sie so bleiben wie Sie sind. Auf dass Sie noch lange nicht abgewrackt werden! Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen alles Gute und allzeit gute Fahrt!

Autor: Kerstin Horn

PS: Vielen Dank für den wirklich schönen Abiball und die lieben Worte, die Sie für all Ihre Lehrer gefunden haben. Ich nehme sehr stolz und wehmütig von Ihnen Abschied!