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Bericht zum Vortrag von Prof. Dr. Dr. Mayer "Werteerziehung"

Woran hängt dein Herz?

Braucht Bildung Werte? Ist die Suche nach Werten ein Zeichen für eine zerrüttete Gesellschaft? Was kann Schule hier überhaupt leisten?

Prof. Dr. Dr. Rainer Mayer, ehemaliger Leiter des Instituts für Evangelische Theologie der Universität Mannheim, hielt am Dienstag, 11. November 2008, im Rahmen einer Förderkreisveranstaltung der Andreas-Schneider-Schule in Böckingen, einen Vortrag über Werte und Wertevermittlung in Erziehung und Bildung.

Werteerziehung ist ein Thema, das in den Medien und in der Öffentlichkeit Konjunktur hat. Zahlreiche Bücher beschäftigen sich mit Werten, im Internet finden sich über zwei Millionen Einträge zu diesem Thema. Aber was sind eigentlich Werte? „Man darf Werte nicht verallgemeinern, sondern muss sie in ihrem Kontext betrachten“, sagt Mayer. Ökonomie, Soziologie oder Theologie hätten jeweils eigene Wertvorstellungen, die einmal eher materiell oder eher ideell ausgerichtet sein könnten, die sich sogar gegenseitig auszuschließen scheinen. Selbst Diktaturen besitzen Werte wie Fleiß, Gleichheit oder Vaterlandsliebe, ein Missbrauch ist also nicht ausgeschlossen. Auch sieht er den viel beklagten Werteverfall nicht als Verlust von Werten, sondern als Resultat einer auseinanderdriftenden und sich individualisierenden Gesellschaft, die jeweils andere Prioritäten setzt.

Gerade im Bereich Schule und Bildung ist es laut Mayer daher nicht damit getan, Wertekataloge aufzustellen. Vielmehr müsse man sich auf die Grundvoraussetzung aller Werte zurückbesinnen: die Menschenwürde. Aus ihr ließen sich alle anderen Werte ableiten. Pädagogen sollten in diesem Sinne ein lebendiges Vorbild sein, denn die Prägung zu einem menschenwürdigen Umgang miteinander geschehe meist unbewusst. Mayer plädiert für eine Erziehung zur Mündigkeit, die Orientierung und ein positives Selbstwertgefühl vermittelt. Reine Informationsvermittlung ohne die Weitergabe von Orientierungswissen für persönliche Entscheidungen ist ihm zufolge wertlos. Allerdings sei die Schule alleine überfordert, die gesellschaftliche Voraussetzung müsse dazu gegeben sein. Für einen friedlichen Umgang miteinander sollte sich also jeder fragen, woran sein Herz hängt. Denn Werte werden, so Mayer, von innen nach außen gelebt und nur so können wir unsere persönlichen Werte erkennen und danach leben. Die gut besuchte Veranstaltung wurde von Schülerinnen und Schülern der Klasse 11B des Wirtschaftsgymnasiums mit selbst verfassten Gedichten über ihre Wertvorstellungen eingerahmt.

Bericht von Christina Schepers